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Spätheimkehrer

Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft am 11.10.1953

 

Die Lauderter Einwohner standen seit drei Tagen im Zeichen eines freudigen Erlebens. Nach über achtjähriger Gefangenschaft in Russland ist der zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilte 28-jährige Landwirt Alwin Auler zu seinen Eltern und drei Brüdern zurückgekehrt. Alwin Auler wurde ein herzlicher Empfang bereitet, an dem die ganze Bevölkerung teilnahm. Amtsbürgermeister Gräff überbrachte die Grüße des Amtes Pfalzfeld und eine Geldspende, Bürgermeister Schön die der Gemeinde Laudert, Lehrer Haberdank die des Gesangsvereins und Lehrer Krick übermittelte die Grüße der Schulkinder und des Sportvereins.

Als Freiwilliger zog Alwin Auler Ende 1943 mit der Waffen-SS als Angehöriger der „Totenkopf-Division“ ins Feld. Zuerst führte ihn sein Weg nach Kroatien. Hier wurde er bei den Partisanenkämpfen eingesetzt. Danach ging es nach Ungarn und Rumänien. Später kam seine Truppe nach Russland. Bei Grodno wurde Alwin Auler verwundet und dann in ein Heimatlazarett nach Göttingen verbracht. Nach seiner Genesung befand er sich in einer Ersatztruppe der Totenkopf-Division und geriet am 09.02.1945 nach weiterer zweimaliger Verwundung in russische Gefangenschaft. Über Deutsch-Eylau, Tuschenau und Wilna, wo er nach sieben Wochen in das erste feste Lager kam und bis 1947 verblieb, führte der Leidensweg des verwundeten Gefangenen. Später war er in Baronowitschi beim Straßenbau tätig.

Der polnischen und litauischen Bevölkerung ist es zu verdanken, dass die deutschen Kriegsgefangenen nicht zugrunde gingen. 1948 brachte man den Kriegsgefangenen Alwin Auler plötzlich nach Minsk, wo er nach viertägigem ununterbrochenem Verhör in ein Gefängnis eingesperrt wurde. Nach halbjährigem Hospitalaufenthalt in Borislowo kam er wieder nach Minsk. Dort wurde er vor ein Gericht gestellt. Obwohl er nachweisen konnte, niemals bei den Kämpfen in Warschau gewesen zu sein, wurde er als Angehöriger der Totenkopf-Division zu 25 Jahren Zwangsarbeit und Besserungslager verurteilt. In den Gefängnissen Brest, Orschau und vor allem in Wokuta sperrte man den Kriegsgefangenen mit Mördern und Verbrechern in eine Zelle. Das Lager Stalino war seine letzte Etappe. Obwohl die Gefangenen bereits am 21.06.1953 benachrichtigt wurden, dass sie bald in die Heimat zurückkehren dürften, ging der Transport mit 749 Kriegsgefangenen und einer Frau erst am 03.10.1953 ab.

 

Spätheimkehrer

 

 

Begrüßungsrede von Amtsbürgermeister Franz J. Gräff:


„Lieber Alwin Auler! 
Voll Freude, voll Ehrfurcht und voll Dankbarkeit gegen Gott, hat sich heute abend die Einwohnerschaft von Laudert versammelt, um ihren Spätheimkehrer Alwin Auler herzlich willkommen zu heißen.

Mehr als acht Jahre sind vergangen, seit dieser unglückselige 2.Weltkrieg, der so viel Leid und Elend über Völker und Menschen gebracht hat, beendet wurde. Wer damals geglaubt hat, dass mit dem Beginn der Waffenruhe auch die Stunde der Heimkehr für unsere Kriegsgefangenen geschlagen hätte, musste eine bittere Enttäuschung erleben. Entgegen allem Völkerrecht wurden unsere Brüder von den Siegermächten, besonders von der Sowjetunion weiter als Arbeitssklave festgehalten. Wir, die wir als Soldaten im Osten die Grenzen der Heimat gegen einen unmenschlichen und bestialischen Gegner zu verteidigen hatten, fürchteten den Weg in die Gefangenschaft fast mehr als den Soldatentod. Dieses bittere Schicksal, der Weg in die russische Gefangenschaft, hat Sie, lieber Alwin Auler noch gegen Ende des Krieges ereilt.

 

Wir alle wissen, welche Opfer und Leiden, welche körperliche und geistige Qualen Sie in den Weiten des russischen Raumes erdulden mussten. Am größten war aber die quälende Ungewissheit und das große Heimweh. Das Heimweh nach den Eltern, Geschwistern und Verwandten, das Heimweh nach Laudert und das Heimweh nach der Freiheit. Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann ermessen, was es bedeutet, einem solchen System der Gewalt und des Terrors als ehr- und rechtbarer Gefangener auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein.

Wir hier in der Heimat haben mit Ihren Angehörigen an Ihr hartes Los gedacht und für Ihre Heimkehr gebetet. Nun sind die langen Jahre des Wartens und Hoffens, der Leiden und der großen Entbehrungen vorüber. Vorüber ist die Zeit der Unfreiheit und des Terrors. Wir freuen uns, Sie heute abend nach langen Jahren der Abwesenheit hier in Laudert, in Ihrer Heimat willkommen heißen zu können. So begrüße ich Sie im Namen des Amtes Pfalzfeld und in meinem eigenen Namen aufs allerherzlichste. Ich bin auch beauftragt, Ihnen die Grüße des Herrn Landrats zu übermitteln.

Möge es Ihnen gelingen, sich bald wieder in die Dorfgemeinschaft einzuleben und ein vollwertiger Bürger unseres neuen Staates zu werden. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir Ihnen bei dem Zurechtfinden in das bürgerliche Leben jede Unterstützung und Hilfe zuteil werden lassen. Indes ich Sie und Ihre Eltern zu Ihrer glücklichen Heimkehr herzlich beglückwünsche, darf ich Ihnen als äußeres Zeichen der Anerkennung und des Dankes ein kleines Geldgeschenk überreichen.“